Sind sie selbst schuld?! Wie Menschen den Ausschluss anderer beurteilen

Sind sie selbst schuld?! Wie Menschen den Ausschluss anderer beurteilen
Sind sie selbst schuld?! Wie Menschen den Ausschluss anderer beurteilen
Anonim

Die Art und Weise, wie Menschen die soziale Ausgrenzung anderer sehen, ist unterschiedlich - je nachdem, wie sehr sie der ausgeschlossenen Person die Schuld zuschreiben. Diese wird jedoch stark davon beeinflusst, wie ähnlich sich die Gruppenmitglieder sind, wie ein Forschungsteam der Universität Basel im Journal of Personality and Social Psychology schreibt.

Die meisten Menschen haben Ächtung erlebt, sei es in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Freundeskreis, als Ausgeschlossene oder als Beobachter. Selbst unbeteiligte Beobachter bleiben beim Thema Ächtung oft nicht nüchtern: Wenn eine Gruppe jemanden aus Lieblosigkeit oder aus egoistischen Motiven ächtet, wird das von anderen meist sehr negativ als unfair empfunden.

Moralische Urteile

Aber auch Außenstehende können eine Ächtung als gerechtfertigt erachten, etwa wenn sich die ausgeschlossene Person zuvor sehr unangemessen verh alten oder Unruhe in der Gruppe verursacht hat. Ein solches moralisches Urteil richtig zu fällen, ist oft schwierig, da den Zuschauern die nötigen Hintergrundinformationen fehlen.

Ein Forschungsteam der Universität Basel um die Psychologin Dr. Selma Rudert hat nun in fünf Studien untersucht, welche Evidenzen Menschen in solchen Urteilssituationen beeinflussen. Die Hypothese war, dass Ähnlichkeit innerhalb der beobachteten Gruppe für die Zuschauer besonders wichtig ist. Die Anzahl der Teilnehmer an jeder der Studien reichte von 30 bis 527.

Aufgrund von Differenzen rausgeschoben

Die Folge: Wir empfinden es eher als ungerecht, wenn jemand ausgeschlossen wird, der sich sichtbar von den anderen unterscheidet; wir gehen davon aus, dass diese Person nur deshalb ausgeschlossen wird, weil sie anders ist.Unterscheidet sich die ausgeschlossene Person jedoch nicht sichtbar von der Gruppe, gehen Außenstehende in der Regel davon aus, dass sie es sich durch irgendein Fehlverh alten „aufgebürdet“hat.

Die Forscher zeigten den Teilnehmern verschiedene Situationen der Ächtung, darunter eine fiktive Chatroom-Diskussion, in der drei Studenten über eine Präsentation diskutierten. Die etwas hartnäckigen Ideen und Vorschläge eines der Studenten in der Diskussion wurden von den anderen beiden regelmäßig ignoriert. Wenn die Ausgegrenzte „anders“war als die beiden anderen – zum Beispiel eine andere Hautfarbe hatte oder aus einem anderen Land stammte – wurde die Ausgrenzung von Außenstehenden als ungerecht bewertet. Sie ärgerten sich über die beiden Schüler und schätzten sie als schlechte Mitarbeiter ein.

Aber wenn sich die Gruppenmitglieder ähnlicher waren – etwa alle aus demselben Land – änderte sich die Sicht der Zuschauer: In diesem Fall bewerteten sie die ausgeschlossene Person negativ, schoben ihr die Schuld für die Ächtung zu und wollte nichts mit ihm/ihr zu tun haben.

Auch oberflächliche Indikatoren zählen

Das Forschungsteam fand auch heraus, dass Ähnlichkeit das soziale Urteil beeinflusst, selbst wenn es sich nur um eine oberflächliche Ähnlichkeit handelt, wie zum Beispiel die ausgeschlossene Person mit einer anderen Frisur. Dies deutet darauf hin, dass Menschen dazu neigen, die Ähnlichkeit der beobachteten Gruppe unbewusst in ihr moralisches Urteil einzubeziehen.

"Diese Studien sind wichtig für Themen wie Mobbing und Ächtung in Schule oder Betrieb", sagt Rudert. Wenn Menschen zu stark von oberflächlichen Indikatoren beeinflusst werden und tatsächliche Informationen ignorieren, kann es schnell zu folgenschweren Fehleinschätzungen kommen. Wenn zu Unrecht ausgegrenzte Menschen keine Unterstützung von anderen erh alten, wird ihre Isolation zunehmen. „Im Idealfall“, sagt Rudert, „sollte man immer versuchen, die ganze Geschichte hinter einer Ächtungssituation zu verstehen, bevor man zu einem schnellen Urteil kommt.“

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