Neue Erkenntnisse über die Faktoren, die die Finanzkrise 2008 verschärft haben

Neue Erkenntnisse über die Faktoren, die die Finanzkrise 2008 verschärft haben
Neue Erkenntnisse über die Faktoren, die die Finanzkrise 2008 verschärft haben
Anonim

Weit verbreitete Schuldzuweisungen in den Folgen der Finanzkrise 2008-2009 werden durch die anh altenden Rechtsstreitigkeiten zwischen den großen Banken und der SEC nur noch verschärft. Fair Value Accounting (FVA) wird oft als Schuldiger für die Beschleunigung des wirtschaftlichen Abschwungs angesehen, aber eine neue Studie der Columbia Business School, die im Journal of Accounting and Public Policy veröffentlicht wurde, untersucht die Rolle der FVA in der Finanzkrise und betrachtet die Vorteile, die sie bietet im Vergleich zu anderen Rechnungslegungsmethoden.

"Fair Value Accounting wurde für den Beinahe-Zusammenbruch des US-Bankensystems verantwortlich gemacht", sagte Urooj Khan, Assistenzprofessor für Rechnungswesen an der Columbia Business School und Mitautor der Studie.„Einerseits kann die FVA in Krisenzeiten zeitnahe und relevante Informationen bereitstellen, aber es kann sich anfühlen, als würde man ein Pflaster abreißen, was sofortige Schmerzen verursacht, da es den Prozess der Preisanpassung und Ressourcenumverteilung in Zeiten finanzieller Turbulenzen beschleunigt. Auf der anderen Seite, kann es die Ansteckung unter den Banken verstärken, indem es möglicherweise Notverkäufe anheizt. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Bedenken der Anleger über die nachteiligen Auswirkungen der FVA die vorteilhafte Rolle überschattet haben, die sie bei der Förderung zeitnaher Marktinformationen spielt."

Die Studie mit dem Titel „Reaktionen des Marktes auf politische Überlegungen zur Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert und Wertminderungsregeln während der Finanzkrise 2008-2009“wurde gemeinsam von Professor Urooj Khan von der Columbia Business School und Professor Robert M. Bowen verfasst der School of Business Administration der University of San Diego und der Foster School of Business der University of Washington. Die Forscher untersuchen die Reaktionen von Aktienmarktinvestoren und Gläubigern auf Ereignisse (wie politische Überlegungen, Empfehlungen und Entscheidungen) im Zusammenhang mit der Lockerung der FVA-Regeln während einer Zeit extremer finanzieller Turbulenzen - September 2008 bis April 2009.

Die Untersuchung ergab, dass Nachrichten über die Lockerung der FVA-Regeln zwar im Allgemeinen zu positiven Reaktionen an den Aktienmärkten führten, die Ergebnisse jedoch je nach Bankmerkmalen unterschiedlich ausfielen. Die Recherche ergab auch zusätzliche Erkenntnisse, die die Rolle der FVA in der jüngsten Finanzkrise in Frage stellen:

  • Investoren taten so, als würden die FVA-Regeln den Banken schaden und ihren Niedergang beschleunigen, was zu einer positiven Reaktion auf Diskussionen über die Lockerung der FVA-Regeln führte.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass Banken, die anfälliger für Ansteckungen waren, diejenigen sind, die am meisten von der Änderung der FVA-Regeln profitiert haben.
  • Bei Banken ohne Analysten-Coverage waren die Anlegerreaktionen auf gelockerte FVA-Regeln weniger positiv, was darauf hindeutet, dass Anleger in Ermangelung anderer Informationsquellen FVA-Daten als zeitnahe und informative Offenlegungen über die finanzielle Solidität von Banken wahrnehmen.
  • Banken mit einem höheren Anteil an illiquiden Vermögenswerten erlebten eine positivere Aktienkursreaktion auf eine mögliche Lockerung der FVA-Regeln.

Die Forschung

Khan und Bowen untersuchten die Reaktionen von Anlegern und Gläubigern auf 10 Ereignisse - darunter Überlegungen, Empfehlungen und Entscheidungen von politischen Entscheidungsträgern - im Zusammenhang mit der Lockerung der FVA und der Wertminderungsvorschriften in der Bankenbranche.

Zur Ergänzung der Ereignisanalyse untersuchte die Studie auch Querschnittsreaktionen der Aktienkurse auf bankspezifische Faktoren, die möglicherweise zur Ausbreitung der Finanzkrise beigetragen haben. Zu den analysierten Faktoren gehörten, ob die Banken gut kapitalisiert waren, ihr Anteil an Vermögenswerten zum beizulegenden Zeitwert und die Verfügbarkeit anderer Informationsquellen als FVA-Daten.

Die Untersuchungsstichprobe umfasst die 288 US-Bankholdinggesellschaften, die den FR Y-9C-Bericht einreichen und über Finanzdaten in der von der Federal Reserve Bank of Chicago geführten Bank Holding Companies Database verfügen, zusätzlich zu den Aktienkursdaten über das Center for Research in Security Prices (CRSP) für den 6-monatigen Analysezeitraum von September 2008 bis April 2009 – ein Zeitraum, in dem die Regulierungsbehörden einem starken politischen Druck ausgesetzt waren, die FVA zu lockern.

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