Ost/West-Unterschiede in der Meditation: Spiritualität oder Technik

Ost/West-Unterschiede in der Meditation: Spiritualität oder Technik
Ost/West-Unterschiede in der Meditation: Spiritualität oder Technik
Anonim

In der westlichen Tradition ist Meditation mit einer persönlichen Beziehung zu Gott verbunden. Asiatische Meditation legt mehr Wert auf Techniken.

Meditation wird sowohl in Norwegen als auch in Indien praktiziert. Mit oder ohne religiösen Zweck. Und mit einer Fülle unterschiedlicher Techniken. Meditation wird seit mehreren tausend Jahren praktiziert und kommt in allen großen Religionen vor.

Aber was ist Meditation? Welche Rolle spielt es in verschiedenen Kulturen? Und wie wird es in verschiedenen Teilen der Welt praktiziert? Dies sind einige der Forschungsfragen, denen Halvor Eifring, Professor am Institut für Kulturwissenschaften und orientalische Sprachen der Universität Oslo, nachgeht.

"Es gibt zahlreiche Formen der Meditation. Historisch gesehen waren Meditationspraktiken viel vielfältiger als die, mit denen wir derzeit vertraut sind. Acem, Zen und Achtsamkeit sind nur die Spitze des Eisbergs", sagt er uns.

Drei Bücher über verschiedene Meditationstraditionen

Im Laufe von drei Jahren war Professor Eifring Herausgeber von drei Büchern über Meditation. Das erste über ostasiatische Meditationstechniken wurde 2012 auf Chinesisch veröffentlicht. Buch Nummer zwei handelt von Meditation im Judentum, Christentum und Islam. Das dritte Buch befasst sich mit Meditationspraktiken im Hinduismus, Buddhismus und Taoismus.

"Das Sammeln von Texten zu verschiedenen Traditionen in einem Band gibt uns eine breitere Perspektive und ein ganzheitlicheres Verständnis davon, was Meditation ist und wie sie praktiziert wird", sagt Professor Eifring.

Westliche vs. asiatische Meditation

"Grob kann man zwischen westlichen und asiatischen Meditationstraditionen unterscheiden", erzählt er uns und erklärt: "Während die westliche Form der Meditation traditionell auf Inh alten basiert, sind technische Formen der Meditation weitaus weiter verbreitet Asien."

Ein typisches Beispiel für eine inh altsbasierte Meditationsform ist das Rezitieren von Gebeten oder Schriftstellen. Es kann auch die Visualisierung bestimmter Episoden oder Begebenheiten sein – etwa eine Geschichte aus der Heiligen Schrift, der Tod Christi oder der eigene Tod.

"Solche Meditationspraktiken wurden im Christentum, Judentum und Islam verwendet", sagt Professor Eifring.

"Es gibt ähnliche Formen der Meditation in der asiatischen Tradition, aber diese betonen oft auch eine technische Tradition", erzählt er uns. "Die technische Tradition kann auch entweder auf Rezitation oder Visualisierung basieren. Aber typischerweise neigt diese Form der Meditation dazu, Klänge ohne Inh alt zu rezitieren oder Dinge wie geometrische Figuren zu visualisieren."

Technische Meditationsformen können auch körperlicher sein und sich auf Atemtechniken und Bewegungen konzentrieren - wie beim Yoga. Es kann auch spezifische Wege beinh alten, die eigene Aufmerksamkeit zu fokussieren, wie z. B. das Einbeziehen und Akzeptieren aller Eindrücke.

Eifring sieht einen der Gründe für den Unterschied zwischen asiatischer und westlicher Meditation darin, dass die westlichen Religionen viel mehr Wert auf eine persönliche Beziehung zu Gott legen.

"Diese persönliche Beziehung ist in der asiatischen Meditation nicht so wichtig. Das religiöse Element spiegelt sich nicht nur in der Beziehung des Einzelnen zu Gott oder den Göttern wider, es ist auch Teil eines größeren Ganzen. Dies kann zu einem Größeren geführt haben Freiheit in Bezug darauf, wie religiöse Praktiken ausgeübt werden sollen", sagt er.

Starke Bindungen zur Religion

Niemand weiß genau, wann Meditation zum ersten Mal entstand. Aber in indischen Quellen wird Meditation ab etwa 600 v. Chr. beschrieben. Sowohl im Westen als auch in China wird Meditation ein paar hundert Jahre später dargestellt.

"Meditation ist traditionell stark mit Religion verbunden. Heute wird sie auch ohne religiöse Absicht praktiziert, aber das eigentliche Wort 'Meditation' kommt tatsächlich aus dem Christentum", sagt Eifring.

"Dennoch war Meditation in vielen westlichen Religionen umstritten. Und technische Meditationstechniken wurden besonders verachtet."

"Papst Johannes Paul II. machte seine Ansicht deutlich, als er erklärte, dass es bei Meditation um die Kommunikation mit Gott geht und nicht um Techniken", sagt er.

Dennoch kommt Meditation in mehreren westlichen Religionen deutlich vor.

"Es gibt eine Reihe von meditativen Traditionen im Katholizismus. Dasselbe gilt für das Judentum. Und es war zum Beispiel in der Kabbala sehr prominent", erzählt er uns.

"Meditation ist auch im Islam weit verbreitet, nicht zuletzt im Sufismus. Aber im Protestantismus hat sie keine herausragende Stellung."

"Martin Luther hat den Begriff 'Meditation' verwendet, aber in erster Linie, um eine Form des Denkens zu beschreiben ", fügt er hinzu.

Traditionell hat Meditation in Religionen wie Buddhismus, Taoismus und Hinduismus eine stärkere Stellung als in westlichen Religionen.

"Im Buddhismus ist Meditation ein Symbol der Religion - Buddha wird fast immer in einer meditierenden Pose dargestellt", sagt Professor Eifring.

Asiatische Meditation auf dem Vormarsch

Westliche Meditationspraktiken haben sich seit den 1960er Jahren drastisch verändert. Sie wurden aus ihrem ursprünglichen religiösen Kontext herausgelöst und sind dadurch weniger inh altsbasiert."

"Asiatisch inspirierte Meditationspraktiken, die sich auf mentale Techniken konzentrieren, werden immer häufiger", sagt Eifring.

Gleichzeitig ist Meditation im Westen immer weiter verbreitet.

"Die Tatsache, dass Meditation nicht mehr unbedingt mit Religion verbunden ist, hat es den Menschen erleichtert, Meditation zu praktizieren", sagt er.

Beliebtes Thema