Optimierter Skischlitten für Paralympics-Athleten

Optimierter Skischlitten für Paralympics-Athleten
Optimierter Skischlitten für Paralympics-Athleten
Anonim

Bei den Paralympics in Sotschi kommt ein neuartiger, biomechanisch und reibungstechnisch optimierter Skischlitten zum Einsatz. Entwickelt wurde der Hochleistungsschlitten vom MicroTribology Center, einer Einrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie und des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik. Die Erkenntnisse aus diesem Forschungsprojekt „Snowstorm“könnten auch für den Freizeitsport von Menschen mit Gehbehinderung von Nutzen sein.

Skisportler Martin Fleig wird bei den Paralympics in Sotschi einen neu entwickelten Skischlitten einsetzen, der genau auf die individuellen Bedürfnisse des mehrfachen Deutschen Meisters im Biathlon und Langlauf zugeschnitten ist.Mit Hilfe biomechanischer Bewegungsanalysen wurde die Sitzposition ermittelt, in der der Sportler seine Kraft optimal einsetzen kann. Der 24-jährige Leistungssportler, der seit seiner Geburt an einer Gehbehinderung leidet, kniet auf dem Metallschlitten und schiebt ihn mithilfe von Skistöcken vorwärts. Der Schlitten wurde mithilfe von 3D-Scannern und Computern entworfen. „Die Anpassung des Sitzes an den Körper ist sehr wichtig für den Erfolg. Ist der Schlitten Teil des Körpers, ergibt sich ein Höchstmaß an Kraftfluss und Fahrkomfort“, sagt Professor Matthias Scherge, Leiter des MicroTribology Centers in Pfinztal bei Karlsruhe. Scherge ist Tribologie-Experte und befasst sich mit Reibung, Verschleiß und Schmierung. Er lehrt am Institut für Angewandte Materialien (IAM-ZBS) des Instituts für Angewandte Materialien (IAM-ZBS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und koordiniert das Forschungsprojekt "Schneestrom".

„Gerade beim Biathlon, wo sich der Athlet zum Schießen mit einer komplexen Rotationsbewegung hinlegt und sich kraftvoll wieder in die Sitzposition erhebt, muss der Schlitten leicht und gleichzeitig stabil sein“, sagt Scherge.

Da die auf dem Schlitten montierten Ski keine Schlittschuhbewegungen zulassen, muss das Polieren besondere Anforderungen erfüllen. Scherge weist darauf hin, dass neben der hohen Leistung des Sportlers und seines Schlittens auch das Zusammenspiel von Schnee und Ski für die Gleitgeschwindigkeit auf der Strecke wichtig ist. Temperatur, Feuchtigkeit und die Form der Schneekörner beeinflussen das Gleiten der Skier auf dem sehr dünnen Wasserfilm. Vor den Wettkämpfen sammelten die „Snowstorm“-Forscher zahlreiche Daten zu Schnee, Strecke und Wetter in Sotschi. Die auf diesen ausgewerteten Daten basierenden Modelle werden verwendet, um das nordische Ski-Paralympics-Team bei der Wachsauswahl, Skipolitur und Skivorbereitung für den Wettkampf zu unterstützen.

An dem Projekt „Snowstorm“ist ein Konsortium aus Partnern aus Wissenschaft und Industrie beteiligt. Zu den Projektpartnern zählen neben dem KIT und der Fraunhofer-Gesellschaft das Institut für Sport der Universität Freiburg, in Baden-Württemberg ansässige Hersteller von Messinstrumenten, Feinmechaniker und Skiwachsspezialisten.Das Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT versorgt die Sportler mit Wettervorhersagen für Sotschi bis zu 72 Stunden im Voraus. Diese Prognosen sind wichtig für die Skipräparierung und werden täglich aktualisiert. „Wir wollen zeigen, dass auch Menschen mit Handicap Schneesport betreiben können“, sagt Scherge. Er hält den zukünftigen Bau einer einfachen Version des Skischlittens für den Freizeitsport von Menschen mit Gehbehinderung für machbar. „Meine Vision ist zum Beispiel barrierefreies Skifahren im Schwarzwald“, sagt die Wissenschaftlerin.

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