Wurminfektionen in Entwicklungsländern: Tierarzneimittel verbessern die Gesundheit von Schulkindern

Wurminfektionen in Entwicklungsländern: Tierarzneimittel verbessern die Gesundheit von Schulkindern
Wurminfektionen in Entwicklungsländern: Tierarzneimittel verbessern die Gesundheit von Schulkindern
Anonim

Hakenwürmer und Peitschenwürmer sind gesundheitsschädlich. Vor allem Kinder in vielen Entwicklungsländern sind anfällig für regelmäßige Infektionen über kontaminierte Böden, da es an Latrinen und sauberem Wasser mangelt. Peitschenwurmeier gelangen über den Magen-Darm-Trakt in den Körper und entwickeln sich über mehrere Entwicklungsstadien. Um die gesundheitlichen Risiken von Wurminfektionen einzudämmen, empfiehlt die WHO eine jährliche Entwurmungskur für Kinder und Risikogruppen (wie Feldarbeiter und Bergleute). Gegen den weit verbreiteten Peitschenwurm (Trichuris trichiura) scheint die empfohlene Standardbehandlung jedoch wenig Wirkung zu haben.

"Wir haben uns daran erinnert, dass es in der Veterinärmedizin ein wirksames Entwurmungsmittel gibt", sagt Studienleiterin Jennifer Keiser vom Schweizerischen Tropen- und Public He alth-Institut. Nach einer Vorstudie im Labor testete ihre Gruppe die tierärztliche Behandlung „Oxantel Pamoate“in Kombination mit der Standardbehandlung Albendazol. Die randomisierte Doppelblindstudie mit Schulkindern mit Wurminfektion fand auf der ostafrikanischen Insel Pemba (Tansania) statt. Nach einmaliger Behandlung mit dieser Kombinationstherapie waren 31 % der Kinder frei von Wurminfektionen. Die Anzahl der Wurmeier im Stuhl der Kinder ging nach einer Behandlung um 96 % zurück.

Tiermedizin bei vernachlässigten Wurminfektionen

'Oxantel Pamoate' wurde in den 1970er Jahren zur Bekämpfung von Peitschenwürmern entwickelt. Heute wird es häufig in Entwurmungsmitteln in der Tiermedizin in Kombination mit anderen Substanzen verwendet. Studien in den 1970er Jahren zeigten, dass „Oxantel Pamoate“auch ein sicheres und wirksames Mittel zur Bekämpfung von Peitschenwurminfektionen beim Menschen ist.Doch das Medikament geriet bald in Vergessenheit und wurde für den Menschen nie weit verbreitet.

"Gesundheitsexperten im Bereich Wurminfektionen diskutieren seit einigen Jahren über dessen Einsatz", sagt Jennifer Keiser: "Das Problem war die Verfügbarkeit des Wirkstoffs als Monosubstanz." Die Tierarzneimittelhersteller wollten das Medikament nicht für klinische Studien am Menschen freigeben, und das Medikament ist nicht im Handel erhältlich.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Apothekern der Universität Basel

Die Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Pharmazeuten der Universität Basel gefunden. Dem Labor von Jörg Huwyler im Zentrum für Pharmazeutische Wissenschaften ist es gelungen, eine Tablette herzustellen, deren Geschmack und Farbe für Kinder ansprechend ist. Dank dieser Expertise war es möglich, den Stoff völlig unabhängig von der Pharmaindustrie zu entwickeln. Wirkstoffdosierung und -abgabe werden derzeit in weiteren klinischen Studien verbessert.Aufgrund der Studie könnte die WHO ihre Empfehlung zukünftig auf diese Substanz ausdehnen. Dies würde die Gesundheit von Millionen von Kindern weltweit verbessern.

Beliebtes Thema