Recherche in der Kneipe

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Anonim

Ein Forschungsteam der Universität Bielefeld hat analysiert, wie die Körpersprache des potenziellen Kunden den Barkeepern hilft, zu erkennen, wer eine Bestellung aufgeben möchte und wer nicht. Das Team stellte fest, dass Beobachtungen aus dem wirklichen Leben im Widerspruch zu der weit verbreiteten Annahme standen, dass Kunden winken, um zu signalisieren, dass sie ein Getränk bestellen möchten.

Gedämpftes Licht, ein Gewirr von Gesprächen und laute Musik: Barpersonal muss zahlreiche Herausforderungen meistern, wenn es darum geht, seine Gäste zu bedienen. An einem überfüllten Ort müssen sie erkennen, wer eine Bestellung aufgeben möchte und wer nicht. Ein Bielefelder Forschungsteam hat analysiert, wie die Körpersprache des potenziellen Kunden den Barkeepern dabei hilft.Das Team stellte fest, dass Beobachtungen aus dem wirklichen Leben im Widerspruch zu der weit verbreiteten Annahme standen, dass Kunden winken, um zu signalisieren, dass sie ein Getränk bestellen möchten. Die Analyse der realen Daten zeigte, dass es entscheidend darauf ankommt, wie sich die Kunden an der Bartheke positionieren. Diese Erkenntnisse wurden in das „Gehirn“des Roboter-Barkeepers James integriert. Die Bielefelder Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie im Online-Forschungsjournal Frontiers in Psychology.

Die Studie ist Teil des EU-Projekts „James“(Joint Action in Multimodal Embodied Systems). Einer der Projektpartner ist die Forschungsgruppe Psycholinguistik von Prof. Dr. Jan de Ruiter an der Universität Bielefeld. Das Projekt vereint Forscher aus Bielefeld, Kreta, München und Edinburgh in ihren Bemühungen, einen Barkeeper-Roboter zu entwickeln. Der Roboter heißt nach dem Forschungsprojekt „James“. Trotz seines vielsagenden Namens hat der Roboter James keine Ähnlichkeit mit einem Butler aus viktorianischer Zeit. Sein Kopf ist ein Tablet-Computer mit großen Augen im Comic-Stil, die Blickkontakt mit den Kunden herstellen können.Sein Mund bewegt sich synchron mit seiner Sprache. Der einarmige Metallkörper, der James Torso bildet, ist hinter der Stange befestigt. James nimmt Getränkebestellungen entgegen, greift mit seinem Arm und einer vierfingrigen Hand nach dem Getränk und serviert seinen Kunden die Getränke.

Das Projekt zielt darauf ab, die Technologie so voranzutreiben, dass James sozial intelligentes Verh alten zeigen kann, das Menschen im täglichen Leben als selbstverständlich ansehen. „Um angemessen auf seine Kunden reagieren zu können, muss der Roboter in der Lage sein, menschliches Sozialverh alten zu erkennen“, erklärt Professor De Ruiter. James sollte in der Lage sein, Benutzer zu verstehen, die keine Vorkenntnisse über den Roboter haben und die in keiner Weise gebrieft wurden. In der lauten Umgebung eines Nachtclubs kann sich das System nicht nur auf seine Sprachkomponenten verlassen. So lernt der Roboter, Körpersprache zu interpretieren. „Derzeit arbeiten wir an der Fähigkeit des Roboters zu erkennen, wenn ein Kunde um seine Aufmerksamkeit bittet“, sagt De Ruiter. „Daher haben wir den Prozess der Bestellung eines Getränks im wirklichen Leben untersucht.' Die Maschine benötigt eine klare Definition, welche Signale einen Auftrag anzeigen und welche nicht. Ohne eine richtige Definition wird es die Signale seiner Kunden falsch interpretieren. Im Gegenzug würde es die Menschen ärgern oder ihnen Unbehagen bereiten, indem es unangemessen auf ihr Verh alten reagiert.

Die Bielefelder Forscher filmten, wie Kunden es schafften, die Aufmerksamkeit eines Barkeepers auf sich zu ziehen, um ihre Bestellung aufzugeben. Aufnahmen wurden in Kneipen und Clubs in Bielefeld (Deutschland), Herford (Deutschland) und Edinburgh (Großbritannien) gemacht. Die Analyse der Aufzeichnungen ergab, welche Signale häufig und welche selten von den Kunden verwendet wurden, um die Aufmerksamkeit der Barkeeper zu erregen. Entgegen der landläufigen Meinung schaute nur jeder fünfzehnte Kunde auf sein Portemonnaie, um zu signalisieren, dass er eine Bestellung aufgeben möchte. Und weniger als einer von fünfundzwanzig Kunden zeigte auf den Barkeeper. Die häufigsten und erfolgreichsten Signale sind weniger ausgeprägt: Mehr als neunzig Prozent der Kunden positionierten sich direkt am Tresen und wandten sich direkt dem Tresen oder einem Mitarbeiter zu.Das Forschungsteam fand heraus, dass Besucher, die keine Bestellung aufgeben möchten, dieses Verh alten instinktiv vermeiden würden. Unterbewusst h alten sie einen kleinen Abstand zur Stange und wenden sich von ihr ab, z. beim Chatten mit Freunden. „Faktisch identifizieren sich die Kunden durch ihr Verh alten als bestellende und nicht bestellende Menschen“, sagt der Psychologe Dr. Sebastian Loth, einer der Autoren der Studie.

Die Ergebnisse wurden verwendet, um James' Programmierung zu aktualisieren. „Mit dem Update spricht James nur noch Personen an, deren Position und Körperh altung deutlich darauf hindeuten, dass sie einen Drink bestellen möchten“, sagt Loth. Nur wenn das System sicher ist, dass der Kunde ein Getränk bestellen möchte, antwortet James in der empfangenen Aussprache: „Wie kann ich Ihnen helfen?“. Das Kürzen der Warteschlange ist für James ein No-Go. Es behält die Reihenfolge der Kunden bei, indem es sich merkt, wer zuerst da war.

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