Politiker erwiesen sich als risikotoleranter als die allgemeine Bevölkerung

Politiker erwiesen sich als risikotoleranter als die allgemeine Bevölkerung
Politiker erwiesen sich als risikotoleranter als die allgemeine Bevölkerung
Anonim

Nach einer aktuellen Studie sind die vom Volk gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages wesentlich risikobereiter als die breite Bevölkerung in Deutschland. Forscherinnen und Forscher des Exzellenzclusters „Languages ​​of Emotion“der Freien Universität Berlin und des DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) haben Bundestagsabgeordnete befragt und Daten zur Allgemeinbevölkerung aus dem Deutschen Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Risikobereitschaft bei Bundestagsabgeordneten sogar höher ist als bei Selbständigen, die selbst risikobereiter sind als Angestellte oder Beamte.Dies g alt für alle Risikobereiche, die in der Studie abgefragt wurden: Autofahren, Geldanlagen, Sport und Freizeit, Beruf und Gesundheit. Die Autoren interpretieren diesen Befund als positiv.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie wurden in deutscher Sprache in der Reihe SOEPpapers des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) veröffentlicht.

Die Autoren der Studie, Moritz Hess (Universität Mannheim), Prof. Dr. Christian von Scheve (Freie Universität Berlin und DIW Berlin), Prof. Dr. Jürgen Schupp (DIW Berlin und Freie Universität Berlin), und Prof. Dr. Gert G. Wagner (DIW Berlin und Technische Universität Berlin) sehen die überdurchschnittliche Risikobereitschaft der Bundestagsabgeordneten positiv. Der Soziologe und Erstautor der Studie Moritz Hess: „Sonst würden wichtige gesellschaftliche Entscheidungen aufgrund der kaum kalkulierbaren Risiken oft nicht getroffen. Das würde zu Stagnation und gesellschaftlichem Stillstand führen.“Die höhere Risikobereitschaft der Politiker interpretieren die Autoren nicht als Gefahr für die Demokratie.„Die Ergebnisse zeigen eine gelungene und sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Bürgern, Wählern und Politikern“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Gert G. Wagner. Demokratische Strukturen und parlamentarische Prozesse bremsen die individuelle Risikobereitschaft von Abgeordneten und Politikern.

Für ihre Studie verteilte das Forschungsteam Ende 2011 schriftliche Fragebögen an alle 620 Mitglieder des 17. Deutschen Bundestages. 28 Prozent der Bundestagsabgeordneten antworteten. Vergleiche mit den statistischen Merkmalen aller aktuellen Bundestagsabgeordneten zeigten, dass es sich bei den Befragten um eine repräsentative Stichprobe von Bundestagsabgeordneten handelt. Aus SOEP-Daten wurde ein Wert für die Risikobereitschaft der Allgemeinbevölkerung zum Vergleich mit den Werten der Bundestagsabgeordneten ermittelt.

Die Fragen an Bundestagsabgeordnete wurden analog zu den Fragen des SOEP-Standardfragebogens formuliert. Politiker wurden gebeten, ihre eigene Risikobereitschaft auf einer Skala von null (=gar nicht risikofreudig) bis zehn (=sehr risikofreudig) einzuschätzen.Sie bewerteten sowohl ihre allgemeine Risikobereitschaft als auch ihre spezifische Risikobereitschaft in den Bereichen Autofahren, Geldanlage, Sport und Freizeit, Beruf, Gesundheit und Vertrauen gegenüber Fremden. Außerdem bewerteten sie ihre Risikobereitschaft gegenüber politischen Entscheidungen. Es wurden keine Fragen zur Parteizugehörigkeit gestellt, um eine Nutzung der Ergebnisse für parteipolitische Zwecke auszuschließen.

Referenzen:

Hess, M., von Scheve, C., Schupp, J., Wagner. G. G. (2013): Bundestagsabgeordnete risikofreudiger als die Bevölkerung, in: DIW Wochenbericht, Bd. 3, Nr. 4, 2013, S. 20-24.

Hess, M., von Scheve, C., Schupp, J., Wagner. G. G. (2013): Sind Politiker risikofreudiger als das Volk? Eine empirische Studie zu Mitgliedern des Deutschen Bundestages, SOEPpaper No. 545, DIW Berlin.

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