Eine kleine Familiengröße erhöht den Reichtum der Nachkommen, verringert aber den evolutionären Erfolg

Eine kleine Familiengröße erhöht den Reichtum der Nachkommen, verringert aber den evolutionären Erfolg
Eine kleine Familiengröße erhöht den Reichtum der Nachkommen, verringert aber den evolutionären Erfolg
Anonim

Wissenschaftler sind der Lösung eines der Rätsel des Lebens einen Schritt näher gekommen - warum die Familiengröße im Allgemeinen sinkt, wenn Gesellschaften reicher werden.

Evolutionsbiologen haben lange darüber nachgedacht, weil erwartet wird, dass die natürliche Selektion auf Organismen selektiert hat, die versuchen, ihre Reproduktion zu maximieren. Aber in den Industriegesellschaften auf der ganzen Welt fällt zunehmender Wohlstand mit Menschen zusammen, die bewusst ihre Familiengröße begrenzen – der sogenannte „demografische Übergang“.

In einer in Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences veröffentlichten Studie haben Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine, des Centre for He alth Equity Studies (Stockholm University/Karolinska Institutet) und des UCL (University College London) lehnen eine verbreitete Theorie zur Erklärung des Phänomens ab.Diese „adaptive“Hypothese geht davon aus, dass eine geringe Fruchtbarkeit den evolutionären Erfolg langfristig steigern kann, indem sie das Vermögen der Nachkommen erhöht, was wiederum letztendlich die Anzahl der langfristigen Nachkommen erhöht, da reichere Nachkommen am Ende mehr Kinder haben.

Die Forscher fanden heraus, dass eine kleine Anzahl von Kindern den wirtschaftlichen Erfolg und die soziale Position der Nachkommen über bis zu vier Generationen erhöhte, aber die Gesamtzahl der langfristigen Nachkommen verringerte. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Entscheidung, die Familiengröße zu begrenzen, als strategische Entscheidung zur Verbesserung des sozioökonomischen Erfolgs von Kindern und Enkelkindern in modernen Gesellschaften verstanden werden kann, aber dieser sozioökonomische Vorteil nicht unbedingt in einen evolutionären Vorteil umzuwandeln ist.

Die Studie zeigt einen Konflikt in modernen Gesellschaften zwischen Verh altensweisen, die soziale und wirtschaftliche Vorteile fördern, und biologischem Erfolg. Dies steht im Gegensatz zu traditionellen Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern, wo Verh altensweisen, die Wohlstand und sozialen Status fördern, dazu führen, dass Individuen mehr genetische Nachkommen hinterlassen.

Die Forscher testeten diese Hypothesen anhand von Daten aus der Uppsala Multigenerational Birth Cohort Study, die 14.000 Menschen, die in den frühen 1900er Jahren in Schweden geboren wurden, und alle ihre Nachkommen bis heute verfolgt.

Sie maßen den sozioökonomischen Erfolg jeder Generation, indem sie sich ihre Schulnoten anschauten, ob sie zur Universität gingen und ihr Haush altseinkommen im Erwachsenen alter. Der Fortpflanzungserfolg wurde anhand des Überlebens bis zum Erwachsenen alter, der Heirat vor dem 40. Lebensjahr (ein Indikator für den „Paarungserfolg“) und der Fruchtbarkeit (Anzahl der Nachkommen bis 2009) bewertet.

Sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Kindern in der ursprünglichen Kohorte waren eine kleinere Familiengröße und eine höhere sozioökonomische Position der Eltern mit wesentlich höheren Schulnoten, Hochschulzugang und Einkommen verbunden. Diese Effekte waren besonders groß, wenn eine niedrige Fruchtbarkeit und ein hoher sozioökonomischer Status zusammenfielen, wobei die Vorteile einer kleinen Familiengröße in wohlhabenderen Gruppen besonders ausgeprägt waren.Zudem wurden diese Vorteile wiederum an die Enkel- und Urenkelgeneration weitergegeben.

Aber im Gegensatz zur adaptiven Hypothese wirkten sich kleine Familiengröße und hohes Vermögen der Eltern entweder nicht auf den Fortpflanzungserfolg über die erste Generation von Nachkommen hinaus aus oder zeigten einen negativen Effekt in den nachfolgenden Generationen.

Die Hauptautorin Dr. Anna Goodman, Research Fellow an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, sagte: „Bei der natürlichen Auslese würde man erwarten, dass Organismen ihre Ressourcen nutzen, um mehr genetische Nachkommen zu produzieren und so ihre darwinistische Fitness zu steigern Der demografische Übergang ist ein Rätsel, weil es auf den ersten Blick nicht so aussieht, als würden die Menschen das tun. Eine adaptive Erklärung für das Rätsel ist, dass es einen Kompromiss zwischen Quantität und Qualität gibt, so dass mehr Kinder dazu führen, dass diese Kinder leben weniger reproduktionsfähig – d.h. eine höhere „Quantität“führt zu einer geringeren biologischen „Qualität“.Unsere Studie fand jedoch heraus, dass dieser Kompromiss zwischen Quantität und Qualität nur für den sozioökonomischen Erfolg der Nachkommen gilt, nicht für ihren Fortpflanzungserfolg."

Co-Autor Dr. David Lawson von der Abteilung für Anthropologie der UCL sagte: „Eine unserer interessantesten Erkenntnisse ist, dass die Zugehörigkeit zu einem ursprünglich wohlhabenden Haush alt die Vorteile einer kleinen Familiengröße noch größer macht. Ärmere Haush alte in dagegen haben relativ wenig zu gewinnen, wenn sie die Fertilität einschränken, vielleicht weil der Erfolg ihrer Kinder eher von breiteren gesellschaftlichen Faktoren bestimmt wird als von Investitionen und Erbschaften der Eltern, die knapp sind der modernen Welt, da die Fruchtbarkeitsraten oft zuerst und am stärksten in den wohlhabenderen Schichten der Gesellschaft sinken, wenn die Bevölkerung einen demografischen Wandel durchläuft."

Professorin Ilona Koupil vom Center for He alth Equity Studies (Universität Stockholm/Karolinska Institutet) sagte: „Es ist wichtig, die Auswirkungen dieser Ergebnisse auf die Gleichheit zu beachten. Erstens zeigt diese Studie, dass Unterschiede in der Familiengröße auftreten können nachh altige Folgen für soziale Ungleichheiten.Zweitens liefert diese Forschung Belege dafür, dass sich Bildungsstand und Vermögen der Menschen nicht nur auf die Schulnoten und das Einkommen ihrer Kinder auswirken, sondern auch auf ihre Enkel und Urenkel. Aus einer breiteren sozialpolitischen Perspektive zeigen unsere Ergebnisse, dass wir selbst in einem Land wie Schweden mit relativ geringer Ungleichheit eine Politik brauchen, die darauf abzielt, die Chancen von Kindern in allen Familien auszugleichen."

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