Olympische Spiele: Ökonomen wagen Prognosen zum Medaillenspiegel

Olympische Spiele: Ökonomen wagen Prognosen zum Medaillenspiegel
Olympische Spiele: Ökonomen wagen Prognosen zum Medaillenspiegel
Anonim

Noch bevor die Olympischen Spiele am 27. Juli in London richtig losgehen, haben Ökonomen der Ruhr-Universität Bochum eine Prognose über den endgültigen Medaillenspiegel gewagt, ohne den Trainingsstand der teilnehmenden Athleten zu berücksichtigen. Basierend auf der Auswertung zahlreicher statistischer Daten prognostizieren sie, dass China, die USA und Russland die Punktetabelle mit 102, 100 bzw. 71 Medaillen anführen werden.

Außerdem erwarten sie, dass die Briten mehr Medaillen als zuvor mit nach Hause nehmen werden (57), Brasilien (28) steigert seinen Medaillenrang im Hinblick auf die Spiele 2016 in Rio de Janeiro, während die deutsche Mannschaft dies tun wird gewinne 12 % weniger Medaillen und rutsche im Medaillenspiegel auf 36 Medaillen ab.

Die detaillierten Prognosen wurden von Julia Bredtmann (Ruhr-Universität Bochum, RWI Essen), Carsten J. Crede (Ruhr-Universität Bochum) und Sebastian Otten (Ruhr-Universität Bochum, RWI Essen) erarbeitet und auf der veröffentlicht folgende Website:

Kein Hokuspokus, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Modell

Die Berechnungen der Bochumer Ökonomen zeigen, dass Prognosen durch die Anwendung ökonometrischer Modelle möglich sind. Sie haben politische, wirtschaftliche, demografische und kulturelle Daten in ihr Modell eingegeben und den Medaillenspiegel vergangener Spiele rückwirkend „vorhergesagt“. Die Prognose ist verblüffend: Sie korreliert zu 97,4 % mit dem tatsächlichen Medaillenspiegel der Teilnehmerländer der Athener Spiele 2004 und zu 96,9 % der Pekinger Spiele 2008.

Alle schauen auf den Medaillenspiegel

Wichtig bei Olympischen Spielen ist nicht nur der persönliche Erfolg der einzelnen Athleten, sondern auch der Wettkampf der einzelnen Länder; Alle schauen auf den Medaillenspiegel, die Investition in den Erfolg der teilnehmenden Länder.Vor den Spielen 2008 in Peking hat China mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung des Sports aufgewendet, um die USA als „Sportsupermacht“abzulösen, was eine enorme Investition darstellt. Auch die britische Regierung hat in den vergangenen Jahren die Ausgaben im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 deutlich erhöht, indem sie Spitzensportler investiert und unterstützt. Doch nicht nur das Geld entscheidet darüber, welche Nation am Ende ganz oben stehen wird. Bevölkerungsreiche Länder haben eine größere Anzahl talentierter und damit erfolgreicher Sportler als kleine Länder; Wohlhabende Länder können mehr Geld für ihre Athleten ausgeben als Länder mit vergleichsweise niedrigem Pro-Kopf-Einkommen, die Schwierigkeiten haben, effiziente Fördersysteme für talentierte Athleten zu betreiben. Außerdem gibt es Länder, von denen man keine großen Erfolge erwartet hätte, wie Jamaika 2008 in Peking. Letztlich haben politische Systeme Einfluss auf den Erfolg: Länder mit sozialistischen Systemen oder sozialistischer Vergangenheit waren erfolgreicher beim Medaillensammeln.

Der Erfolg von Frauen hängt von Emanzipation und Tradition ab

Darüber hinaus haben die Bochumer Ökonomen die Medaillenränge von Frauen und Männern getrennt betrachtet. Frauen aus Ländern mit emanzipierten Gesellschaften und gleichen Chancen in der Arbeitswelt sind bei Olympia erfolgreicher als Frauen aus Gesellschaften mit patriarchalischem Charakter. Im angewandten Modell wird die Stellung der Frau in der Gesellschaft durch verschiedene Faktoren gemessen. Als wesentliche Einflussfaktoren in der Analyse erwiesen sich die Erwerbsquote der Frauen, die Fertilitätsrate, die Anzahl der Jahre seit dem Frauenwahlrecht sowie ein Indikator für Länder, in denen der Islam die Hauptreligion ist.

Der berühmte Heimvorteil und das Klima

Letztlich kommt auch noch der berühmte Heimvorteil ins Spiel. Das jeweilige Gastgeberland hat erhöhte Erfolgschancen und Sportler des künftigen Gastgeberlandes profitieren von der frühzeitigen Ausweitung der sportlichen Unterstützung in ihrem Heimatland bei der Vorbereitung auf die eigene Rolle als Gastgeber.Auch die klimatischen Bedingungen des Heimatlandes wirken sich auf den Medaillenerfolg der Athleten aus. Athleten aus Ländern mit extremem Klima sind aufgrund ihrer schlechten Trainingsbedingungen gegenüber Teilnehmern aus gemäßigten Klimazonen insbesondere im Outdoor-Sport benachteiligt.

Die detaillierte Vorhersage

Basierend auf den Ergebnissen der empirischen Analyse kann eine Prognose für die Anzahl der potenziellen Medaillengewinne der teilnehmenden Nationen bei den Olympischen Spielen 2012 vorhergesagt werden. Die 15 besten Nationen und die prognostizierte Anzahl an Medaillen:

1. China (102 Medaillen), 2. Vereinigte Staaten (100), 3. Russland (71), 4. Großbritannien (57), 5. Australien (43), 6. Frankreich (39), 7. Deutschland (36), 8. Südkorea (31), 9. Kuba (29), 10. Brasilien (28), 11. Ukraine (28), 12. Italien (27), 13. Japan (27), 14. Weißrussland (19), 15. Spanien (19).

Beliebtes Thema