Technologieförderung macht Klimaschutz billiger

Technologieförderung macht Klimaschutz billiger
Technologieförderung macht Klimaschutz billiger
Anonim

Um das Klima kostengünstig zu schützen, braucht es nicht nur einen Emissionshandel, sondern auch finanzielle Unterstützung für neue Technologien. Das Einsparen an gezielter Förderung, etwa bei erneuerbaren Energien, verteuert den Klimaschutz – wie Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) jetzt erstmals anhand einer aufwändigen Computersimulation errechneten, die das gesamte 21. Jahrhundert umfasst. Ohne Förderung haben Energietechnologien mit hohen Kostensenkungspotenzialen kaum eine Chance, da sie eine erhebliche Anfangsinvestition erfordern: ein Fall von Marktversagen.

„Unternehmen der globalen Energiebranche setzen oft auf vertraute Technologien, anstatt nach Innovationen zu streben – sie sind zögerlicher als Unternehmen anderer Branchen, wie unsere Analyse zeigt“, sagt Matthias Kalkuhl, Erstautor der im veröffentlichten Studie Fachzeitschrift Resource and Energy Economics. Hinter diesem Verh alten steht nicht nur Trägheit. Pioniere bezahlen die Rechnung für die Entwicklung und das Risiko von Innovationen, deren Ergebnisse allen zugute kommen und die dann von Wettbewerbern kopiert werden. Hinzu kommt, dass für Unternehmen Unsicherheit über die langfristige Rentabilität von Investitionen in neue Technologien besteht, da die politischen Rahmenbedingungen - beispielsweise zukünftige CO2-Emissionspreise - unzuverlässig sind: "Das Ergebnis ist ein selbst -Verstärkung des Lock-In-Effekts“, erklärt Kalkuhl. „Minderwertige und damit teurere Technologien dominieren jahrzehntelang den Markt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es rational. Aber wirtschaftlich ist es fatal."

Der Grund für diese besondere Zurückh altung des Energiesektors ist folgender: Das Produkt - Strom oder Wärme - sei für den Verbraucher gleich, egal mit welcher Technologie es hergestellt wurde, so Kalkuhl. Da das Produkt homogen ist, haben Verbraucher einen geringen Anreiz, für eine innovative Technologie einen deutlich höheren Preis zu zahlen. Dies steht im krassen Gegensatz zu Smartphones oder E-Book-Readern. Diese können mit cleverer Produktdifferenzierung erfolgreich neue Märkte erobern.

Wirksame politische Maßnahmen zur Förderung neuer Technologien, zeigt die Computersimulation, sind eine Einspeisevergütung oder Quoten für Energie aus bestimmten Technologien. Effektiv seien laut den Wissenschaftlern nur Fördermittel, die auf neue Technologien abzielen: Offshore-Windkraft, Nutzung von Biomasse, Solarenergie. Besonders positiv ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis, wenn die finanzielle Förderung auf einen Zeitraum von beispielsweise 30 Jahren begrenzt ist. Es ist jedoch wirtschaftlich nicht sinnvoll, bereits weit entwickelte CO2-reduzierende Technologien zu unterstützen: Kernreaktoren, Wasserkraft oder hocheffiziente Gaskraftwerke.

Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler ein neues Computermodell entworfen, das das Zusammenspiel von Unternehmen, Haush alten und politischen Akteuren sowie die daraus resultierenden Wohlfahrtseffekte berechnet. Dieses sogenannte dynamische Multi-Agenten-Modell „zeigt robuste Ergebnisse für eine Vielzahl von Szenarien, auch wenn wir einige Vereinfachungen vornehmen mussten“, sagt Kalkuhl. Das Modell geht von einem funktionierenden Emissionshandelssystem mit ambitionierten Klimaschutzzielen aus, das kohlenstoffarme Technologien fördert.

Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu der gängigen ökonomischen Meinung, dass Emissionshandel gepaart mit Technologieförderung eine ineffiziente Verdopplung sei und Innovation durch Patentschutz und allgemeine Forschungsförderung ausreichend gesichert sei. „Wir haben festgestellt, dass es zwar möglich ist, die Treibhausgasemissionen allein durch den Emissionshandel zu reduzieren, dies aber mit höheren Kosten verbunden ist“, sagt Ottmar Edenhofer, Chefökonom des PIK und Co-Autor der Studie.Nur durch gezielte Förderung "können neue Technologien auf den Markt gebracht werden, die dann eine steile Lernkurve zeigen - also schnell besser und günstiger werden". Höhere Kosten erschweren politische Klimaschutzmaßnahmen und machen Emissionshandel und Technologieförderung somit zu zwei Seiten derselben Medaille.

Die Effekte zeigen sich erst, wenn man das Anlageverh alten vieler Jahrzehnte berücksichtigt. Frühere Studien waren oft nur von kurzer Dauer. „Klimapolitik ist aber ein langfristiges Projekt“, sagt Edenhofer. Die Regierung weiß nicht besser als die Unternehmen, welche Technologien realisierbar sind, aber gerade aufgrund dieser Unsicherheit ist sie der einzige Akteur, der sich die Finanzierung von Technologie leisten kann. Ohne die Einführung eines Preises für CO2-Emissionen gepaart mit einer Emissionsobergrenze sei jedoch auch die beste Technologieförderung ziemlich nutzlos, sagt Edenhofer. „Klimaschutz nur mit Subventionen zu bekämpfen, ist einfach nicht leistbar."

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