Prognosen zukünftiger Bevölkerungstrends, die Bildung nicht explizit in ihre Analyse einbeziehen, können fehlerhaft sein

Prognosen zukünftiger Bevölkerungstrends, die Bildung nicht explizit in ihre Analyse einbeziehen, können fehlerhaft sein
Prognosen zukünftiger Bevölkerungstrends, die Bildung nicht explizit in ihre Analyse einbeziehen, können fehlerhaft sein
Anonim

Zukünftige Trends des globalen Bevölkerungswachstums könnten durch Verbesserungen sowohl der Qualität als auch der Quantität der Bildung, insbesondere der Bildung von Frauen, erheblich beeinflusst werden. Prognosen zukünftiger Bevölkerungstrends, die Bildung nicht explizit in ihre Analyse einbeziehen, können laut einer in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie fehlerhaft sein.

Die Studie verwendet einen neuartigen "Multi-State"-Bevölkerungsmodellierungsansatz, um das Bildungsniveau zusammen mit Alter und Geschlecht einzubeziehen.Die Einbeziehung von Bildung in die Analysen fügt den Projektionen von Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Migration eine Dimension der „menschlichen Qualität“hinzu. Da sich Bildung auch auf Gesundheit, Wirtschaftswachstum und Demokratie auswirkt, liefern diese Projektionen ein umfassenderes Bild davon, wo, wie und unter welchen Bedingungen das menschliche Wohlergehen zunimmt.

Die Forschung bestätigt frühere Erkenntnisse, dass das von Frauen erreichte formale Bildungsniveau in den meisten Fällen die wichtigste Einzeldeterminante des Bevölkerungswachstums ist. Frauen mit höherem Bildungsstand haben im Allgemeinen weniger Kinder, einen besseren allgemeinen Gesundheitszustand und höhere Überlebensraten von Säuglingen. Bildung scheint auch eine wichtigere Determinante für das Überleben von Kindern zu sein als Haush altseinkommen und Vermögen. Die Studie ergab auch, dass die Weltbevölkerung bis 2050 unter 9 Milliarden bleiben könnte, wenn gemeinsame Anstrengungen unternommen würden, um Bildung zu beschleunigen. Daher hängen die Aussichten für die Weltbevölkerung stark von weiteren Fortschritten im Bildungswesen ab.

Forscher Wolfgang Lutz und Samir K.C. vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), dem Vienna Institute of Demography (VID) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) untersuchten die Wirkung von Bildung auf die Bevölkerung Wachstum bis 2050 anhand von vier alternativen Bildungsszenarien. Die Szenarien basieren auf identischen Sätzen bildungsspezifischer Fertilitäts-, Mortalitäts- und Migrationsraten. Sie unterscheiden sich lediglich in ihren Annahmen über zukünftige Einschulungsraten.

"Das ehrgeizigste oder 'fast track' (FT)-Szenario, das wir anwenden, geht davon aus, dass alle Länder ihr Schulsystem so schnell wie möglich ausbauen - dies ist vergleichbar mit früheren, leistungsstärksten Ländern, Singapur und Südkorea, sagt Co-Autor Samir K.C.“Das pessimistischste Szenario der „konstanten Einschulungszahlen“(CEN) geht davon aus, dass keine neuen Schulen gebaut werden und die Zahl der Schulbesucher konstant bleibt, was unter Bedingungen des Bevölkerungswachstums sinkende Einschulungsraten bedeutet."

"Unter diesen beiden Extremszenarien könnte die Bevölkerungsgröße im Jahr 2050 um bis zu 1 Milliarde variieren – wobei 8,8 Milliarden Menschen im Fast-Track-Szenario und bis zu 9,9 Milliarden im Szenario mit konstanten Einschreibungszahlen erwartet werden …. Die Der Effekt ist am größten in Ländern mit derzeit hohen Fruchtbarkeitsraten und hohen Bildungsunterschieden", erklärte er.

Kenias Bevölkerung würde beispielsweise unter dem optimistischen FT-Szenario von 31 Millionen im Jahr 2000 auf 85 Millionen im Jahr 2050 ansteigen. Unter dem pessimistischen CEN-Szenario ohne neue Schulen könnte Kenias Bevölkerung auf 114 Millionen anwachsen. Die Differenz von 30 Millionen zwischen diesen Extremen entspricht der Bevölkerungszahl Kenias im Jahr 2000. Da die Szenarien nur die Auswirkungen auf individueller Ebene berücksichtigen, nicht die breiteren Auswirkungen auf Gemeindeebene, die Bildung haben kann, wie z. B. eine bessere Verfügbarkeit von Diensten für reproduktive Gesundheit, die Ergebnisse sind wahrscheinlich eine Unterschätzung der potenziellen Bevölkerungsveränderung.

Die Autoren betonen, dass die Wirkung einer besseren Bildung auf das Bevölkerungswachstum möglicherweise noch einige Zeit nicht offensichtlich ist. Dies liegt daran, dass die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Mädchen, die jetzt in die Schule kommen, möglicherweise erst nach etwa 15 Jahren erkennbar sind, wenn sie in ihre besten Jahre der Schwangerschaft eintreten.

Die Studie stützt frühere Erkenntnisse des IIASA und des VID bezüglich des Bildungsniveaus, das erforderlich ist, um eine Veränderung der Fruchtbarkeit herbeizuführen, wobei die Sekundarschulbildung zu einer stärkeren Verringerung der Fruchtbarkeit führt als die Grundschulbildung allein.

Die Studie hebt die starke Verbindung zwischen Wirtschaftswachstum und „Humankapital“hervor – die Kombination aus Gesundheitszustand und Bildungsstand der Erwachsenen. Bessere Bildung wirkt sich auf viele Aspekte der menschlichen Entwicklung aus, darunter Gesundheit, Wirtschaftswachstum und Demokratie.

Die Studie von Wolfgang Lutz und Samir K. C. vom International Institute for Applied Systems Analysis, dem Vienna Institute of Demography der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Wirtschaftsuniversität Wien (alle drei Institutionen haben ihre wissenschaftliche Stärken und Zusammenarbeit im Wittgenstein Center for Demography and Global Human Capital) ist in der aktuellen Ausgabe von Science erschienen.Referenz: Globales Humankapital: Integration von Bildung und Bevölkerung. Wissenschaft 29. Juli 2011. Lutz W. und Samir K. C.

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