Vorbereitung auf das Unerwartete

Vorbereitung auf das Unerwartete
Vorbereitung auf das Unerwartete
Anonim

Wie kannst du einen Notfall planen, dessen Art du nicht kennst? Mehrere Fraunhofer-Institute arbeiten an Strategien und Technologien, die helfen sollen, die Reaktion auf Krisen vorherzusagen und zu verbessern. Ihre Lösungen werden auf der CeBIT in Hannover (1. bis 5. März) gezeigt.

Extremwetter, Großunfälle, Waldbrände oder Anschläge: Bürger, Rettungsdienste und Behörden müssen möglichst früh gewarnt werden, um schnellstmöglich reagieren zu können. „Unabhängige Warnsysteme für jede dieser Katastrophen und für jede Situation, die Menschen betreffen kann, sind jedoch finanziell nicht machbar“, beobachtet Projektleiter Ulrich Meissen vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Berlin."Außerdem würde das zu einer großen Ansammlung paralleler Informationen führen, die sogar eine gegenseitige Behinderung nachweisen können." Deshalb setzt Meissen in seinem Projekt KATWARN auf Multi-Hazard- und Multi-Channel-Technologien: Das bedeutet einfach, dass bestehende Warnsysteme und -konzepte miteinander verknüpft und integriert werden, um ein zukunftsweisendes und funktionsübergreifendes Warnsystem zu schaffen. Neben den klassischen Kommunikationswegen wie Telefon oder Funk werden auch andere Warntechnologien erprobt. Beispielsweise werden Gebäudealarme in öffentlichen oder privaten Gebäuden installiert. Diese Alarme arbeiten unabhängig vom Stromnetz und können wie Feuermelder Ton- und Lichtsignale abgeben, aber auch Sprach- und Textsignale aussenden, um in Extremsituationen zu warnen – auch wenn andere Systeme bereits ausgefallen sind. Um insbesondere ältere Menschen zu warnen, werden spezielle Botschaften entwickelt, die in Fernsehsendungen eingefügt werden, die deutlich auf potenzielle Gefahren hinweisen und sagen, was zu tun ist.

Übersicht für Rettungsdienste

Die automatische Erfassung und Auswertung von Informationen spielt eine wichtige Rolle im EU-Projekt PRONTO, das vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin koordiniert wird. Die Forscher entwickeln ein System, das Personen, die in Kontroll- und Rettungsdiensten arbeiten, dabei hilft, eine Situation zu verstehen. PRONTO sammelt eine Vielzahl von Informationen und wertet diese automatisiert aus: digitale Karten, GPS, Signale von Wasser- oder Brandmeldern, Telefonate, Fotos und Videos sowie Meldungen der Einsatzkräfte über digitale Sender. „So entsteht auf den Monitoren im Lagezentrum schnell ein klares Bild der Lage: Wie sieht der Einsatzort aus? Wo sind die Einsatzfahrzeuge? Wo ist Platz für Notfallmaßnahmen, etwa für Verletzte?“, erklärt Projektleiter Dr. Jobst Löffler. Die visuell aufgewerteten Informationen unterstützen das Kontrollpersonal in seiner Entscheidungsfindung und können gezielte Maßnahmen einleiten.

Endanwender testen und evaluieren derzeit das im Rahmen des Projekts entwickelte Prototypsystem in Feldversuchen unter realen Bedingungen. Die Feuerwehr Dortmund wird das System in Trainingsübungen einsetzen, um Krisensituationen besser begegnen zu können. PRONTO wird auch in einer weniger gefährlichen Anwendung eingesetzt: dem öffentlichen Nahverkehr in Helsinki. Das Problem dort ist das gleiche - abzüglich der Aufregung und des Drucks einer Krisensituation. Dies bietet die Möglichkeit, die Erfassung und Auswertung der Informationen, die Integration in das System, das Datenmanagement und die Spracherkennung zu optimieren. Später soll die Fraunhofer-Technologie auch bei öffentlichen Großveranst altungen zur Unterstützung des Sicherheitspersonals eingesetzt werden.

Das intelligente Kontrollzentrum

Moderne Lageräume bestehen heute aus einer Videowand oder Monitoren, auf denen eingehende Informationen gesammelt und grafisch dargestellt werden. Der Zugriff auf diese Informationen erfolgt über PC-Tastaturen, -Mäuse oder -Touchscreens.Benutzer benötigen in der Regel eine elektronische Autorisierung mittels Passwort. Um Kontrollraumabläufe zu beschleunigen und zu vereinfachen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB in Karlsruhe den SmartControlRoom entwickelt. Es kann die im Raum anwesenden Personen anhand von Gesichtsbild- und/oder Sprachdatenerkennung identifizieren und deren Standort lokalisieren. Dies macht Anmeldeprozeduren überflüssig, da die Berechtigung, wer auf welche Daten zugreifen darf, bereits im System voreingestellt ist. Ein weiteres Feature ist die intuitive Bedienung der Videowand. Jeder Benutzer hat eine persönliche Oberfläche, die auf seine Anforderungen, Aufgaben und Fähigkeiten zugeschnitten ist. „In einer Krisenleitstelle benötigt zum Beispiel der Koordinator von Einsatzfahrzeugen andere Funktionen als der Löschkoordinator“, sagt IOSB-Forscher Florian van de Camp. Um die Informationen genau für die Personen anzuzeigen, für die sie bestimmt sind, werden die Personen „getrackt“, das heißt, ihr Aufenth altsort im Raum wird zu jedem Zeitpunkt überwacht.

Ein Späher für gefährliches Terrain

Feuer, Radioaktivität oder giftige Stoffe erschweren es im Notfall, genaue Informationen über die aktuelle Situation zu erh alten. Dies sind jedoch nur die Informationen, die das Kontrollpersonal benötigt, um die Rettungskräfte effektiv einzusetzen, ohne dass sie ihr Leben gefährden. Forscher des IOSB haben deshalb ein Softwaresystem entwickelt, mit dem sich beispielsweise Mini-Helikopter oder mit Kameras oder Gassensoren ausgestattete heliumgefüllte Ballons zur Lageerkundung einsetzen lassen. Die mobile Bodenstation befindet sich im Kontrollzentrum, „durch einfaches Anklicken des Displays können die Sensoren an die entsprechende Stelle geschickt werden“, erklärt Projektleiter Dr. Axel Bürkle. „Von dort aus senden sie in Echtzeit Bilder oder Messwerte, die eine bessere Einschätzung der Lage auch in unzugänglichen Bereichen ermöglichen.“

Nachdem die akute Gefahr vorüber ist, ist es wichtig, sich über mögliche Schäden zu informieren.So können unbemannte Mini-U-Boote Dämme oder Hafenanlagen unter Wasser inspizieren. Das Fraunhofer-Anwendungszentrum Systemtechnik AST in Ilmenau koordiniert die Arbeiten mehrerer Fraunhofer-Institute zur Entwicklung autonomer Unterwasserfahrzeuge, die bis zu 6000 Meter tief tauchen können, um beispielsweise Pipelines, transatlantische Telefonleitungen, Bohrlöcher oder Offshore-Windkraftanlagen zu inspizieren.

Lass uns hier verschwinden

Den Weg aus der Katastrophe zeigt eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Sch altungen IIS: die awiloc Ortungstechnologie. Ein Smartphone kann seinen eigenen Standort in Städten oder Gebäuden identifizieren. Die Technologie basiert auf der gemessenen Signalstärke der vielen WLANs, die in jedem modernen Stadtzentrum zu finden sind. An jeder Position in einer Stadt können Sie die Signale mehrerer WLAN-Sender registrieren – je näher am Router, desto stärker das Signal. Das Ergebnis ist ein charakteristisches Muster, mit dem sich eine Position auf dem Mobilgerät lokalisieren lässt.In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt „Regionale Evakuierung: Planung, Steuerung und Anpassung“(REPKA) können bei einer Evakuierungsübung gewonnene Echtzeit-Bewegungsdaten zur Verbesserung regionaler Evakuierungspläne genutzt werden. In einer Krisensituation kann awiloc als Teil eines Leitsystems eingesetzt werden, um den Weg zu sicherem Boden zu finden. „Wir kombinieren verschiedene Positioniersysteme und erreichen dadurch eine weitaus höhere Präzision als mit Einzelsystemen“, sagt Steffen Meyer. Es funktioniert sowohl innerhalb als auch außerhalb von Gebäuden und selbst wenn Mobilfunknetze ausfallen.

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