Wo wird die nächste Lebensmittelkrise zuschlagen? Erweiterte geografische Überwachung durch Satellitenbeobachtung

Wo wird die nächste Lebensmittelkrise zuschlagen? Erweiterte geografische Überwachung durch Satellitenbeobachtung
Wo wird die nächste Lebensmittelkrise zuschlagen? Erweiterte geografische Überwachung durch Satellitenbeobachtung
Anonim

Das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das American Famine Early Warning Systems Network (FEWS NET) arbeiten an der Innovation und Stärkung ihrer Überwachungssysteme für die Ernährungssicherheit und effizientere Frühwarninstrumente zu entwickeln. Diese Bemühungen sind eine Reaktion auf die globale Nahrungsmittelkrise 2007-2008, die die Zahl der von Hungersnöten bedrohten Länder erheblich erhöhte.

Satellitenbeobachtung ist das Schlüsselinstrument, das es ermöglichen wird, im Jahr 2010 die Zahl der Länder zu verdoppeln, die in Echtzeit überwacht werden, um erste Hinweise auf negative Folgen für die Landwirtschaft zu erkennen.Das neue integrierte Phasenklassifizierungssystem (IPC) erleichtert und beschleunigt die Reaktionszeit auf Ernährungskrisen, indem es eine gemeinsame und international anerkannte Klassifizierung ihrer Schwere ermöglicht.

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation gehen jede Nacht mehr als 1 Milliarde Menschen mit leerem Magen ins Bett. Darüber hinaus führte die jüngste globale Ernährungskrise dazu, dass weitere Länder auf die Liste der Bevölkerungsgruppen mit Ernährungsunsicherheit aufgenommen wurden. Dies ist wahrscheinlich das dringendste und dramatischste Problem, mit dem die Menschheit heute konfrontiert ist. Ernährungssicherheit ist nicht nur ein entscheidendes Thema für Entwicklungsländer und ihre schwächeren Einwohner; es ist auch der Schlüssel zum Aufbau einer stabileren, gleichberechtigten, wohlhabenderen und sichereren Welt.

Sonderprogramme werden jedes Jahr von der internationalen Gemeinschaft durchgeführt und beträchtliche Mittel mobilisiert, um die wachsende Zahl von Bevölkerungsgruppen mit Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen. Die Ermittlung der Zeiten und Orte, an denen Hilfe benötigt wird, ist von entscheidender Bedeutung, um gezielte und wirksame Maßnahmen zu ergreifen.Hier kommt die wissenschaftliche Gemeinschaft ins Spiel, indem sie Methoden und Werkzeuge entwickelt, um zeitnahe Informationen und objektive Bewertungen der Lebensmittelanforderungen bereitzustellen und so den Entscheidungsprozess mit soliden Beweisen zu unterstützen.

Die Macht der Satellitenbilder

Mehrere Organisationen, die sich sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten mit Ernährungssicherheit befassen, verlassen sich traditionell auf Satellitenbeobachtungen, um ihre Bewertungsaktivitäten zu unterstützen. Als Folge des alarmierenden Anstiegs der weltweiten Lebensmittelpreise im Jahr 2008 sind viele weitere Länder potenziell von Ernährungsunsicherheit bedroht und müssen ständig überwacht werden, um frühe Anzeichen ungünstiger landwirtschaftlicher Bedingungen zu erkennen. Satellitenbasierte Prognosesysteme werden daher in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen und es Organisationen ermöglichen, eine größere Anzahl von Ländern zu überwachen, als dies derzeit mit Büros vor Ort möglich ist.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) wird in diesem Jahr das Echtzeit-Überwachungssystem erweitern, das sie entwickelt hat, um Nahrungsmittelkrisen vorherzusagen.Es wird nicht nur das Horn von Afrika abdecken, sondern alle Länder mit der größten Ernährungsunsicherheit in Subsahara-Afrika. Da die vom JRC regelmäßig empfangenen Erdbeobachtungs- und Agrarklimadaten global sind, können auch andere Länder außerhalb Afrikas im Falle von Ernährungskrisen überwacht werden.

Dieses JRC-Betriebssystem für die regionale Ernteüberwachung und -vorhersage basiert auf Satellitendaten und innovativen Agrarklimamodellen. Mehr als 40 regionale Bulletins liefern jedes Jahr quantitative und qualitative Ertragsprognosen für Länder mit Ernährungsunsicherheit auf der ganzen Welt, mit besonderem Schwerpunkt auf Afrika. Im Jahr 2009 warnte JRC beispielsweise frühzeitig vor der Dürre in Kenia und prognostizierte einen Monat vor der Ernte korrekterweise einen um 15 % unterdurchschnittlichen Maisertrag.

In den Vereinigten Staaten wird das Famine Early Warning Systems Network (FEWS NET) dieses Jahr sein System zur Überwachung der Ernährungssicherheit von derzeit 20 auf 50 weitere Länder weltweit ausdehnen.Der US Geological Survey (USGS), die National and Oceanic Atmospheric Administration (NOAA) und die National Aeronautics and Space Administration (NASA) richten beschleunigte Verfahren für die Verarbeitung von Satellitendaten und Modellläufen ein, um FEWSNET bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Integrated Food Security Phase Classification (IPC): Wissenschaftliche Ergebnisse näher an den Entscheidungsprozess heranführen

Wenn es darum geht, Entscheidungen über die Bereitstellung von Hilfsmitteln zu treffen, brauchen politische Entscheidungsträger klare und verlässliche Informationen, die alle Dimensionen der Ernährungssicherheit (Klimadaten, Wirtschaftsanalysen, Ernährungs- und Gesundheitsdaten) und eine gemeinsame Sprache auf der Grundlage integrieren von denen sich alle Beteiligten auf die Analyse der Ernährungssituation und mögliche Reaktionsoptionen einigen können.

Die neue, auf breitem Konsens aufbauende und international akzeptierte Integrated Food Security Phase Classification (IPC) macht es möglich und vermeidet gleichzeitig widersprüchliche Ergebnisse durch die Verwendung unterschiedlicher Skalen. Dadurch wird die Antwort der Spender erleichtert.

Diese gemeinsame Klassifikation wurde kürzlich von sieben Organisationen (JRC, FAO, FEWS NET, Care International, Oxfam GB, Save the children und World Food Programme) entwickelt, die sich mit Informationsmanagement zur Lebensmittelsicherheit befassen. Es handelt sich um eine standardisierte Skala, die folgende Parameter integriert: Ernährungssicherheit, Ernährung und Informationen zum Lebensunterh alt, die zu klaren Aussagen über Art und Schwere einer Krise führen.

Es deckt das gesamte Spektrum möglicher Situationen ab – von „Ernährungssicherheit“bis hin zu humanitären Krisen – und berücksichtigt die vielfältigen Dimensionen der Ernährungssicherheit, d. h. Verfügbarkeit, Zugang/Lebensunterh alt und Ernährung. Es bietet auch einen umfassenden Rahmen von Konzepten, Indikatoren, Skalen oder Benchmarks und eine gemeinsame, international akzeptierte Sprache. Dies erleichtert den fachlichen Konsens zur Diagnose unter Experten und ermöglicht das Senden klarerer und kohärenter Botschaften an Entscheidungsträger. Geeignete Berichterstattungs- und Kartierungstools bieten zusammenfassende Ansichten über die Schwere, das Ausmaß und die Art der Bedenken hinsichtlich der Ernährungssicherheit und ihre wahrscheinliche Entwicklung in der nahen Zukunft.

Im Dezember 2009 beschloss die Europäische Kommission, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) über einen Zeitraum von 14 Monaten 1.276.269 € (mehr als 1,7 Millionen US-Dollar) zuzuweisen JRC, FEWS NET und die anderen Organisationen, die an der Entwicklung der Klassifikation beteiligt sind, wird die FAO die zweite Phase der IPC-Initiative in mindestens 8 Fokusländern (davon 6 in Subsahara-Afrika) durch verbesserte technische Entwicklung und Feldunterstützung umsetzen und Institutionalisierung.

Weitere Informationen

  • Integrated Food Security Phase Classification (IPC):
  • FOODSEC-Aktion der EU:
  • Famine Early Warning Systems Network (FEWS NET):

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