Wie sozialer Druck die Wahlbeteiligung erhöht: Beweise aus einem groß angelegten Feldexperiment

Wie sozialer Druck die Wahlbeteiligung erhöht: Beweise aus einem groß angelegten Feldexperiment
Wie sozialer Druck die Wahlbeteiligung erhöht: Beweise aus einem groß angelegten Feldexperiment
Anonim

Neue Forschungen von Politikwissenschaftlern kommen zu dem Schluss, dass Direktmailing-Kampagnen, die einen Aspekt des sozialen Drucks beinh alten, die Wahlbeteiligung effektiver erhöhen und billiger sind als andere Formen der Wählermobilisierung, einschließlich Tür-zu-Tür- oder Telefonwerbung.

Vor den Vorwahlen im August 2006 in Michigan verschickten die Forscher eine von vier verschiedenen Mailings an 80.000 Haush alte, in denen sie zur Stimmabgabe ermutigt wurden - mit allmählich zunehmendem sozialen Druck. Das erste Mailing erinnerte die Wähler daran, dass Wählen eine Bürgerpflicht ist. Das zweite Mailing informierte die Wähler darüber, dass Forscher ihre Wahlbeteiligung auf der Grundlage öffentlicher Aufzeichnungen untersuchen würden.Das dritte Mailing listete eine Aufzeichnung der Wahlbeteiligung unter denjenigen im Haush alt auf. Das vierte Mailing zeigte sowohl die Wahlbeteiligung in der Nachbarschaft als auch in den Haush alten. Das dritte und vierte Mailing deuteten auch an, dass es nach der bevorstehenden Wahl einen Folgebrief geben würde, in dem über die Wahlbeteiligung ihres Haush alts oder ihrer Nachbarschaft berichtet wird.

Die Autoren fanden heraus, dass sich Menschen bei der Stimmabgabe eher an starke soziale Normen h alten – wie die Ansicht, dass die Stimmabgabe eine Bürgerpflicht ist – wenn sie erwarten, dass ihr Verh alten öffentlich gemacht wird. Nachdem den Haush alten zum Beispiel ihre eigene Abstimmungsbilanz gezeigt wurde, stieg ihre Wahlbeteiligung auf 34,5 %, eine Steigerung von 4,5 % gegenüber der Abstimmungsquote der Kontrollgruppe von 29,7 %. „Noch dramatischer ist der Effekt, wenn den Haush alten ihre eigene Wählerliste und die Wählerlisten ihrer Nachbarn gezeigt werden“, stellen die Autoren fest. Die Wahlbeteiligung der Haush alte, die dieser Methode unterzogen wurden, betrug 37,8 %, was einer Steigerung von 8,1 % gegenüber der Kontrollgruppe entspricht.

Dieser bemerkenswerte Anstieg der Wahlbeteiligung, beobachten die Autoren, "übertrifft die Wirkung von Live-Telefonanrufen und konkurriert mit der Wirkung von persönlichem Kontakt mit Wahlwerbern, die Wahlkampagnen durchführen." Im Vergleich dazu wird angenommen, dass politische Eingriffe wie die Registrierung am Wahltag oder die Briefwahl, die heute viel diskutiert werden und die Wahlbeteiligung durch Senkung der Wahlkosten erhöhen sollen, Auswirkungen von 3% oder weniger haben. Darüber hinaus in Bezug auf Aus reiner Kosteneffizienz kosten Mailings, die sozialen Druck ausüben, zwischen 1,93 und 3,24 US-Dollar pro Stimme und übertreffen damit bei weitem die rund 20 US-Dollar pro Stimme für Haus-zu-Tür-Werbung oder 35 US-Dollar pro Stimme für Telefonbanken.

In dieser hitzigen Wahlkampfsaison liefert diese Studie neue und überzeugende Einblicke in das Phänomen der Wählermobilisierung und inwieweit gesellschaftlicher Druck zu einer Erhöhung der Wahlbeteiligung führen kann. Angesichts ihrer Wirkung dürften Direktmailing-Kampagnen, die Aspekte des sozialen Drucks verwenden, eine unvermeidliche Entwicklung im Wahlkampfhandwerk der amerikanischen Politik sein.

Diese Ergebnisse wurden von den Politikwissenschaftlern Alan S. Gerber (Yale University), Donald P. Green (Yale University) und Christopher W. Larimer (University of Northern Iowa) in einem Artikel mit dem Titel „Social Pressure und Wahlbeteiligung: Beweise aus einem groß angelegten Feldexperiment." Der vollständige Artikel erscheint in der Februarausgabe der American Political Science Review, einer Zeitschrift der American Political Science Association (APSA).

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